Wann zahlt eine private Unfallversicherung?
Ein Sturz und einige Wochen mit Gips lösen nicht automatisch eine große Auszahlung aus. Die zentrale Leistung ist meist die Invaliditätsleistung: ein vereinbarter Geldbetrag für eine dauerhaft verbleibende körperliche oder geistige Beeinträchtigung nach einem versicherten Unfall.
Nach § 180 VVG ist eine Beeinträchtigung dauerhaft, wenn sie voraussichtlich länger als drei Jahre besteht und keine Änderung dieses Zustands zu erwarten ist. Das ist eine Prognose. Du sollst deshalb nicht drei Jahre warten, bevor du einen Anspruch meldest; die vertraglichen Fristen können viel früher enden.
Auch die Ursache muss zur Definition passen.
Der gesetzliche Ausgangspunkt ist ein plötzlich von außen auf den Körper wirkendes Ereignis, das unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung verursacht. Tarife können diesen Unfallbegriff erweitern, etwa für bestimmte Verletzungen durch erhöhte Kraftanstrengung oder Eigenbewegung. Eine Krankheit allein wird dadurch nicht allgemein zum Unfall.
Invaliditätskapital
Eine einmalige Leistung kann beispielsweise für einen nötigen Umbau oder zusätzliche Unterstützung eingesetzt werden. Höhe und Voraussetzungen ergeben sich aus Grundsumme, Invaliditätsgrad und Tarif.
Suche, Rettung und Bergung
Solche Kosten können als zusätzliche Leistung versichert sein. Vergleiche Höchstbeträge, Voraussetzungen und die Abgrenzung zu Leistungen anderer Versicherungen.
Hilfe im Alltag
Bestimmte Tarife sehen nach einem Unfall Haushaltshilfe, Fahrdienste oder andere Assistenz vor. Prüfe, ob eine Dienstleistung organisiert oder nur ein Geldbetrag gezahlt wird und wie lange die Hilfe läuft.
Weitere Geldleistungen
Unfallrente, Sofortleistung oder Krankenhaustagegeld brauchen eine passende Vereinbarung. Jeder Baustein hat eigene Auslöser. Ein langer Leistungskatalog ersetzt keine ausreichende Invaliditätsleistung.
Gesetzlich versichert heißt nicht bei jeder Tätigkeit versichert.
Die gesetzliche Unfallversicherung knüpft an bestimmte Tätigkeiten an, etwa Arbeit, Schule oder einen versicherten Weg. Eine private Police kann auch Freizeitunfälle umfassen. Der Unterschied liegt also nicht einfach zwischen Werktag und Wochenende oder zwischen drinnen und draußen.
Gesetzliche Unfallversicherung
Sie sieht bei versicherten Arbeits- und Wegeunfällen sowie Berufskrankheiten gesetzliche Leistungen vor, zum Beispiel Behandlung, Rehabilitation und unter bestimmten Voraussetzungen Geldleistungen. Auch Tätigkeiten im Homeoffice können versichert sein.
Weitere versicherte Tätigkeiten sind möglich, etwa bestimmte ehrenamtliche Aufgaben oder Hilfeleistungen. Für Selbstständige können Pflicht- oder freiwillige Absicherung bestehen.
Private Unfallversicherung
Sie leistet nach dem vereinbarten Vertrag und kann Beruf und Freizeit rund um die Uhr umfassen, häufig weltweit. Sportarten, Tätigkeiten und sonstige Ausschlüsse müssen trotzdem zum eigenen Alltag passen.
Eine private Invaliditätsleistung kann neben gesetzlichen Leistungen bestehen. Ihre Berechnung folgt eigenen Regeln.
Eine Behandlung nach einem Freizeitunfall bleibt nicht allein deshalb unbezahlt, weil die gesetzliche Unfallversicherung nicht zuständig ist. Dafür kann die Krankenversicherung im jeweiligen Leistungsrahmen zuständig sein. Der zusätzliche finanzielle Bedarf durch dauerhafte Folgen ist eine andere Frage.
Die Gliedertaxe bestimmt mit, wie hoch die Leistung ausfällt.
Die Gliedertaxe ordnet bestimmten Körperteilen und Sinnesorganen einen Prozentsatz für vollständigen Verlust oder vollständige Funktionsunfähigkeit zu. Bei teilweiser Beeinträchtigung wird entsprechend anteilig bewertet. Die Werte können von Tarif zu Tarif unterschiedlich sein.
Eine Diagnose allein verrät deshalb noch nicht den Auszahlungsbetrag. Es kommt auf die verbleibende Funktion, die ärztliche Feststellung und die Bedingungen an. Für Beeinträchtigungen außerhalb der Tabelle gibt es weitere Bewertungsregeln. Auch eine bereits vorher bestehende Beeinträchtigung kann relevant sein.
So wirkt der Invaliditätsgrad auf die Grundsumme.
Angenommene Grundsumme: 100.000 Euro. Die Rechnung zeigt einen versicherten Invaliditätsgrad ohne Progression, Vorinvalidität, Mitwirkung von Krankheiten oder andere Abzüge. Sie bewertet keine Verletzung.
Das ist der versicherungsrechtliche Invaliditätsgrad. Er ist nicht der amtliche Grad der Behinderung.
Bei 0 Prozent Invalidität ergibt sich in dieser Rechnung keine Invaliditätsleistung.
Kein Leistungsversprechen und keine medizinische Einschätzung. Entscheidend sind Feststellung und Bedingungen im konkreten Fall. Die Auswahl wird nicht gespeichert oder versendet.
Was bewirkt die Progression?
Eine Progression erhöht die Leistung bei höheren Invaliditätsgraden über die einfache anteilige Rechnung hinaus. Die Prozentzahl im Tarifnamen beschreibt meist die Leistung bei Vollinvalidität. Wie der Weg dorthin aussieht, steht in einer Tabelle.
100.000 Euro Grundsumme, unterschiedliche Höchstleistungen
- Ohne Progression
- 100.000 €
- 225 % Progression
- 225.000 €
- 350 % Progression
- 350.000 €
Diese Werte gelten für die dargestellten Vereinbarungen bei Vollinvalidität. Für 20 oder 50 Prozent Invalidität brauchst du die konkrete Progressionstabelle; die Zwischenwerte lassen sich aus dem Höchstwert allein nicht bestimmen.
Vergleiche deshalb die tatsächlichen Eurobeträge bei mehreren Invaliditätsgraden. Eine hohe Progression kann eine zu niedrige Grundsumme bei geringeren Beeinträchtigungen nicht beliebig ausgleichen. Zwei Angebote mit demselben Höchstbetrag müssen bei 20 oder 50 Prozent Invalidität nicht dasselbe leisten.
Welche Rolle spielen Vorerkrankungen?
Wirken Krankheiten oder Gebrechen an den Unfallfolgen mit, kann der Vertrag eine Kürzung vorsehen. Ab welchem Mitwirkungsanteil und in welchem Umfang das geschieht, ist tarifabhängig. Eine vorher bestehende Funktionsbeeinträchtigung und die Mitwirkung einer Krankheit sind unterschiedliche Prüfpunkte. Lies beide Regeln, besonders wenn bereits gesundheitliche Einschränkungen bestehen.
Dein Vergleich
Vergleiche die Leistungstabelle, nicht nur die Höchstsumme.
Grundsumme und Progression einstellen, dann die Leistungen bei unterschiedlichen Invaliditätsgraden und die Ausschlüsse prüfen.
Für wen ist eine Unfallversicherung sinnvoll?
Überlege zuerst, welches finanzielle Problem du lösen willst. Für den dauerhaften Verlust deines Erwerbseinkommens ist meist die Berufsunfähigkeitsversicherung die umfassendere Prüfung, weil auch Krankheiten eine Rolle spielen. Privater Unfallschutz kann sie ergänzen, ersetzt sie aber nicht.
Kannst du keinen passenden Berufsunfähigkeitsschutz bekommen, verschwindet diese Unterscheidung nicht. Eine Unfallversicherung kann dann einen Teil des Risikos abdecken, lässt krankheitsbedingte Einschränkungen aber grundsätzlich offen.

Kinder
Kita und Schule bieten gesetzlichen Schutz für bestimmte Tätigkeiten, nicht für jede Stunde des Tages. Private Unfallleistungen können ergänzen. Vergleiche aber auch, wie Folgen schwerer Krankheiten abgesichert wären; eine reine Unfallversicherung lässt sie grundsätzlich außen vor.
Senioren
Nach einem Unfall kann konkrete Hilfe bei Einkäufen, Haushalt oder Fahrten wichtig werden. Prüfe Leistungsdauer und Organisation der Assistenz sowie Altersgrenzen, spätere Beitragsänderungen und die Mitwirkung von Vorerkrankungen.
Selbstständige und körperliche Berufe
Die Tätigkeit muss korrekt angegeben sein. Kläre daneben, welcher gesetzliche oder freiwillige Unfallschutz bereits besteht. Eine einmalige Invaliditätsleistung überbrückt nicht automatisch jede vorübergehende Arbeitspause.
Sport und aktive Freizeit
Beschreibe deine Sportarten und ihre Ausübung konkret. Ein gelegentlicher Ausflug kann anders behandelt werden als Wettkampfsport. Achte auch auf Erweiterungen für Eigenbewegung und Kraftanstrengung sowie auf Rettungs- und Bergungskosten.
Was kostet eine private Unfallversicherung?
Alter, berufliche Tätigkeit, vereinbarte Leistungen und die Zahl der versicherten Personen beeinflussen den Beitrag. Grundsumme, Progression und zusätzliche Bausteine müssen im Vergleich übereinstimmen. Sonst siehst du unterschiedliche Preise für unterschiedlichen Schutz.
Eine Unfallrente kann viel zum Beitrag beitragen und setzt häufig einen bestimmten Invaliditätsgrad voraus. Prüfe, ob dieser Baustein zu deinem Bedarf passt oder ob eine höhere Kapitalleistung die geplanten Ausgaben besser abdeckt. Dieselbe Frage gilt für Tagegelder und andere Extras.
Bei einer Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr wird Risikoschutz mit einem Sparvorgang verbunden. Vergleiche Kosten und Bedingungen deshalb nicht nur mit denen einer reinen Unfallversicherung. Eine Rückzahlung macht den Schutz nicht automatisch wirtschaftlicher.
Vor dem Abschluss gehören Gliedertaxe, Progressionstabelle, Mitwirkungsregeln, Fristen und Ausschlüsse nebeneinander. Gesundheitsfragen beantwortest du nach dem genauen Wortlaut. Prüfe auch, welche Änderungen des Berufs oder anderer gefahrerheblicher Angaben du später melden musst.
Die Unfallmeldung allein sichert nicht jede Frist.
Nach einem Unfall können mehrere Fristen nebeneinander laufen: bis wann eine Invalidität eingetreten sein muss, bis wann sie ärztlich festgestellt sein muss und bis wann du sie geltend machen musst. Diese Zeitpunkte unterscheiden sich je nach Vertrag. Eine pauschale Monatszahl wäre hier unzuverlässig.
Melde den Unfall zügig, sichere Unterlagen und lass dir die weiteren Anforderungen schriftlich nennen. Wenn dauerhafte Folgen möglich sind, sprich rechtzeitig mit der behandelnden Praxis über die benötigte Feststellung. Ein allgemeiner Arztbrief muss nicht automatisch alle Anforderungen des Versicherers erfüllen.

Unfall melden
Ereignis, Zeitpunkt und Verlauf nachvollziehbar festhalten. Die vertraglichen Meldepflichten beachten.
Fristen notieren
Eintritt der Invalidität, ärztliche Feststellung und Geltendmachung getrennt im Kalender erfassen.
Nachweise klären
Erforderliche medizinische Unterlagen rechtzeitig besorgen und über den dafür vorgesehenen sicheren Weg einreichen.
Leistung prüfen
Bewertung, Gliedertaxe, Progression und mögliche Abzüge nachvollziehen. Unklare Berechnungen erklären lassen.
Wenn du Angehörige im Todesfall finanziell absichern willst, lies auch die Risikolebensversicherung. Eine Unfalltodleistung ist enger. Für Reisen kann daneben eine Auslandsreisekrankenversicherung wichtig sein, etwa für Behandlung und Rücktransport nach ihren eigenen Bedingungen.
Häufige Fragen: Private Unfallversicherung
Ist eine private Unfallversicherung sinnvoll?
Sie kann sinnvoll sein, wenn dauerhafte Unfallfolgen hohe zusätzliche Ausgaben auslösen würden, die deine Rücklagen nicht decken. Prüfe davor deine allgemeine Einkommensabsicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann auch bei Krankheit leisten; eine Unfallversicherung grundsätzlich nur bei versicherten Unfallfolgen. Die beiden Verträge lösen unterschiedliche finanzielle Probleme.
Wann zahlt die Unfallversicherung eine Invaliditätsleistung?
Wenn ein versicherter Unfall eine dauerhafte Beeinträchtigung verursacht und die vertraglichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören auch Fristen für den Eintritt der Invalidität, ihre ärztliche Feststellung und die Geltendmachung beim Versicherer. Eine Verletzung, die ohne dauerhafte Folgen ausheilt, löst diese Kapitalleistung normalerweise nicht aus.
Wie viel Geld gibt es bei einem Knochenbruch?
Aus der Diagnose allein lässt sich keine Invaliditätsleistung ableiten. Entscheidend sind die dauerhaft verbleibenden Funktionsbeeinträchtigungen und die Vertragsbedingungen. Heilt der Bruch vollständig aus, besteht daraus in der Regel kein Invaliditätsanspruch. Ein gesondertes Schmerzensgeld, eine Sofortleistung oder Krankenhaustagegeld gibt es nur, wenn der Tarif eine passende Leistung vorsieht.
Was bedeutet eine Progression von 350 Prozent?
Bei einer entsprechenden Vereinbarung erreicht die Invaliditätsleistung bei 100 Prozent Invalidität das 3,5-Fache der Grundsumme. Aus 100.000 Euro Grundsumme werden dann 350.000 Euro. Wie hoch die Leistung bei geringeren Invaliditätsgraden ist, steht in der Progressionstabelle. Du darfst deshalb nicht jeden Invaliditätsgrad einfach mit 3,5 multiplizieren.
Ist die Gliedertaxe überall gleich?
Nein. Sie ordnet dem vollständigen Verlust oder der vollständigen Funktionsunfähigkeit bestimmter Körperteile und Sinnesorgane Prozentsätze zu. Versicherer können unterschiedliche Werte vereinbaren. Bei einer teilweisen Funktionsbeeinträchtigung wird entsprechend anteilig bewertet; außerhalb der Tabelle gelten weitere Vertragsregeln. Der Invaliditätsgrad ist nicht mit dem amtlichen Grad der Behinderung gleichzusetzen.
Brauchen Kinder eine eigene Unfallversicherung?
Die gesetzliche Absicherung in Kita oder Schule deckt nicht automatisch jede Freizeitaktivität. Private Unfallleistungen können diese Lücke ergänzen. Sie erfassen aber nicht allgemein die Folgen schwerer Krankheiten. Vergleiche daher auch, welches finanzielle Risiko du für dein Kind überhaupt absichern willst. Ein Familientarif muss jedes gewünschte Kind ausdrücklich einschließen.
Gilt die private Unfallversicherung weltweit und rund um die Uhr?
Das ist bei vielen Tarifen der vorgesehene Umfang, auch für Freizeitunfälle. Trotzdem bleiben die Bedingungen maßgeblich. Bestimmte Sportarten, berufliche Risiken, Kriegsereignisse oder andere Ausschlüsse können den Schutz begrenzen. Bergungskosten und medizinischer Rücktransport sind gesondert zu prüfen und nicht mit der Invaliditätsleistung gleichzusetzen.
Ersetzt die Unfallversicherung eine Risikolebensversicherung?
Nein. Eine vereinbarte Unfalltodleistung greift nur unter ihren besonderen Voraussetzungen nach einem Unfall. Eine Risikolebensversicherung ist grundsätzlich nicht auf diese Todesursache beschränkt. Wenn ein Kredit oder der Lebensunterhalt deiner Familie abgesichert werden soll, prüfe den umfassenderen Todesfallschutz gesondert.
Dein Vergleich
Sieh dir auch die kleineren Invaliditätsgrade an.
Vergleiche, was bei 20, 50 und 100 Prozent Invalidität aus derselben Grundsumme wird. Erst mit der Leistungstabelle lässt sich die Progression einordnen.
Quellen und Stand
Inhaltlicher Stand: . Allgemeine Informationen, keine individuelle Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung. Für Annahme und Leistung gelten der jeweilige Vertrag und die gesetzlichen Voraussetzungen. Rechenbeispiele sind keine Tarifangebote.
- Verbraucherzentrale: Nutzen und Grenzen der privaten Unfallversicherung (öffnet einen neuen Tab)
- § 178 VVG: Unfallbegriff und vereinbarte Unfallleistungen (öffnet einen neuen Tab)
- § 180 VVG: Dauerhafte unfallbedingte Invalidität (öffnet einen neuen Tab)
- § 2 SGB VII: Gesetzlich versicherte Tätigkeiten und Personen (öffnet einen neuen Tab)
- § 8 SGB VII: Arbeits- und Wegeunfälle (öffnet einen neuen Tab)